Chronik
Marienheide Kempershöhe Kalsbach Dannenberg Musikzug
Kalsbach
Auszug aus der Niederschrift des Lehrers Albert
Höhn, Kotthausen
"Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr"
Im Winter 1905/06 wurde von den jungen Leuten hiesigen Bezirks die Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr angeregt. Dieser Gedanke bekam aber erst greifbare Formen durch den Erlass der Feuerpolizeiverordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 30. Nov. 1906, wonach vom 1. Jan. 1907 an in jeder Stadt und Landgemeinde, in denen eine Berufs- oder freiwillige Feuerwehr nicht bestand, Pflichtfeuerwehren einzurichten sind.
In einer auf den 12. Mai 1907 in das Lokal des F. W. Lienenkämper in Kotthausen einberufenen Versammlung zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Kotthausen für den Bezirk der Bauernschaft Calsbach, wurde von dem Lehrer Höhn die Zweckmäßigkeit einer freiwilligen Wehr gegenüber einer Pflichtwehr besprochen und erklärten die Erschienenen, zwecks Gründung einer freiwilligen Feuerwehr demnächst zu einer Generalversammlung sich versammeln zu wollen. Durch Unterschrift erklärten die Anwesenden ihren Beitritt zur neuen Wehr, die von der Generalversammlung festzusetzenden Statuten anzuerkennen und den Jahresbeitrag prämerando zu zahlen. Der Jahresbeitrag wurde pro 1907 festgesetzt auf 2 Mark für aktive und 3 Mark für inaktive Mitglieder, zahlbar prämerando jeden Halbjahres.
Erster Brandeinsatz ist in Kalsbach, am 9. Jan.1909.
Um einer Spaltung der Wehr vorzubeugen, kann man sich noch nicht entschließen, einen Zug Kalsbach und einen Zug Kotthausen zu gliedern, was dann jedoch am 16. Jan. 1910 geschieht.
In den Jahren 1910 bis 1914 erlebt die Wehr eine ruhige Entwicklung. Neue Mitglieder wurden aufgenommen, Kaiser-Geburtstag, Stiftungsfeste und Feuerwehrbälle werden gefeiert. Die Preise sind in dieser Zeitspanne stabil. Zum Festkommers werden 50 Pfennig, zum Ball 75 Pfennig und für beides zusammen 1 Mark als Eintrittsgelder erhoben. Jeder Wehrmann hat eine Dame frei. Die Musik spielt für 30 Mark.
Ein großer Tag für die Freiwillige Feuerwehr Kotthausen–Kalsbach. Am 16. Okt. 1913 ist es den Wehrmännern vergönnt, S.M. den hochverehrten Herrscher und Friedensfürsten Kaiser Wilhelm II. in Kotthauserhöhe begrüßen zu können. S.M. befanden sich auf einer Rundfahrt von Bonn über Siegburg, Engelskirchen, Lindlar, Wipperfürth, Marienheide, Kotthauserhöhe, Gummersbach, Waldbröl, Schloss Krottorf, Wissen, Eitorf, Hennef, nach Bonn zurück.
Am 1. Aug. 1914 erfolgte die Mobilmachung des gesamten deutschen Heeres. Auch aus den Reihen der Wehr mussten ein großer Teil der Wehrmänner den blauen Rock mit dem grauen Rock tauschen. Im Ganzen zogen 45 Mann ins Feld. Die Familien der Eingezogenen wurden aus der Wehrkasse unterstützt. Leider Kamen nicht alle Kameraden zurück.
Inflationszeit:
Im Jahre 1923, in dem die Geltentwertung enorm zunimmt und die Schulden, die der Wehr durch Beschaffungen neuer Ausrüstungen entstanden sind, wird der Jahresbeitrag auf 1000 Mark festgelegt. Mitte Nov. 1923 beträgt 1 Goldmark gleich 1 Billion Papiermark. Am 5. April 1924 ist der Kassenbestand infolge der Inflation gleich Null.
Zu drei größeren Bränden musste die Wehr 1924 ausrücken. Am 19. Mai 1924 steht das Wohnhaus mit Stallungen, Wirtschaft, Saal und Metzgerei der Wwe. Wilhelm Viebahn in Windhagen in hellen Flammen. An dem ca. 4 stündigen Einsatz hatte sich der 1. Zug mit 31 und der 2. Zug mit 30 Mann beteiligt.
Genau einen Monat später, am 19. Juni 1924, brannte das Doppelhaus der Kameraden Albert und Eugen Wirth sowie das benachbarte Haus Wolfslast in Däinghausen. Bei diesem ersten großen Doppelbrand konnte die Wehr der Bevölkerung gegenüber wirklich Zeugnis ablegen, dass die letzten Jahre zur Schulung bestens genutzt worden waren und allgemein fand das schneidige und wackere Eingreifen der Wehr in der Bevölkerung Anerkennung.
Feuerlöschhilfe forderten unsere Nachbarwehr Müllenbach am 15. Okt. 1924 an. Das Müllersche Anwesen, Wohnhaus mit Wirtschaft, Saal und Bäckerei, ging zur Mittagsstunde in hellen Flammen auf und brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder.
Für den 24. Jan. 1925 ist eine Generalversammlung ins Lokal des Kameraden W. Ude, Kotthauserhöhe, einberufen. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils stiftet Ude ein Fass Bier, was dankend angenommen wird. Doch die Freude darüber fand eine jähe Unterbrechung. Kurz nach 24 Uhr wurde die Wehr zu einem Brand in Herreshagen gerufen. Es brennt das Wohnhaus Kalkkuhl. Der Einsatz dauert nicht lange; nach getaner Arbeit mundet dann der Rest des Bieres um so besser.
1933 erging unter der damaligen Reichs-Regierung das neue Feuerlöschgesetz. Danach wurden alle freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Marienheide zu einer Einheitsfeuerwehr unter der Bezeichnung "Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Marienheide" zusammengefasst
Auch in unserer Wehr hielt die Motorisierung Einzug. In monatelanger Arbeit wurde in der Auto-Werkstatt Otto Franke in Kotthauserhöhe in Eigenleistung ein Löschfahrzeug gebaut. Mannschaft und Gerät konnten nun schnell die Einsatzstelle erreichen. Das war im Jahr 1934. Die von Hand zu bedienenden Geräte hatten nun ihren Dienst getan.
Die Zeichen der Zeit
Ab Januar 1937 heißt die Freiwillige Feuerwehr auf
höheren Befehl
"Feuerschutzpolizei". Koppel, Schulterriemen
und Seitengewehr gehören nun zur Uniform. Es können
nur noch Mitglied der Feuerlöschpolizei sein, wer die deutsche
Staatsangehörigkeit besitzt. Die Wehrleute haben in den folgenden Jahren
Haus- und Straßensammlungen zu Gunsten des deutschen Winter-Hilfswerkes
durchzuführen, Beteiligung am Aufmarsch zum Kreisparteitag der NSDAP in
Gummersbach. Es weht nun ein anderer Wind.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 wurde auf Anordnung der Militärregierung der Name "Feuerschutzpolizei" verboten. Unter demokratischen Grundsätzen wurde wieder eine Freiwillige Feuerwehr aufgebaut.
Leider kehrten einige Kameraden aus dem Krieg nicht zurück.
Die Löschgruppe hat auf dem Betriebsgelände der Ziegelei Wirth in Kotthauserhöhe ihre Unterkunft. Das LF 15 war notdürftig in einer Wellblechgarage untergebracht.
Im März 1952 übernimmt Karl Schott als 22 jähriger die Löschgruppe. Ein schwieriger Aufbau begann. Die Gegensätze zwischen alt und jung waren zu groß. Die Reihen lichten sich, neue Leute kamen hinzu. Mit der Zeit findet sich eine nette kameradschaftliche Löschgruppe zusammen.
1957 feiert die Wehr ihr 50 jähriges Bestehen, gleichzeitig wurde von dem damaligen Gemeindedirektor Strunkheide ein modernes Löschgruppenfahrzeug LF 8, ein OPEL-Blitz, mit Vorbaupumpe, in Dienst gestellt. In der neu errichteten Garage, die Ehren-Brandmeister Max Wirth auf dem Gelände der Ziegelei Wirth, Kotthauserhöhe, bereitgestellt hat, finden Fahrzeug und Mannschaft eine neue Unterkunft.
Gerätehaus in Kalsbach und 2 neue Fahrzeuge
Die Unterkunft in der Ziegelei Kotthauserhöhe entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Der Wunsch nach einem neuen, größerem Gerätehaus wurden immer stärker. Nachdem sich in Kalsbach, und gerade dort, wo vor vielen Jahren das erste Spritzenhaus gestanden hatte, die Gelegenheit bot, konnte die Gemeinde das passende ideale Grundstück erwerben. Am 14. Feb. 1976 übergab Gemeindedirektor Werner Knabe in feierlichem Akt ein großes, modernes Gerätehaus und zwei neue Fahrzeuge, ein LF 16 TS und einen Mannschaftswagen. Für die Beschaffung des Mannschaftswagens steuerte die Wehr 10.000 DM bei.
Den Dachausbau des Gerätehauses übernahm die Löschgruppe selbst. In vielen Arbeitsstunden und aus eigenen Mitteln wurde ein viel bewunderter Schulungsraum geschaffen.
Durch die kommunale Neugliederung im Jahre 1975 wurden der Gemeinde Marienheide Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hülsenbusch-Gimborn angegliedert. Dem Brandbezirk der Löschgruppe Kalsbach wurde der Gimborner Raum mit den Ortschaften Gimborn, Unterpentinghausen, Erlinghagen, Jedinghagen und Hütte zugeteilt.
Da zum damaligem Zeitpunkt fast alle Kameraden aus Kalsbach sind, wird der Antrag auf Namensänderung bei der Gemeinde gestellt, die bis dahin noch unter dem Namen Löschgruppe Kotthausen geführte Wehr in Löschgruppe Kalsbach umzubenennen.
Mit Schreiben vom 31.März 1977 genehmigt der Hauptausschuss der Gemeinde Marienheide die Umbenennung in "Löschgruppe Kalsbach".

Im Jahre 1983/1984 wurde das Gerätehaus erweitert. Dies geschah größtenteils in Eigenleistung und mit erheblichen finanziellen Eigenleistungen der Löschgruppe.
Nachdem 1982 ein Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 auf UNIMOG-Fahrgestell angeschafft worden war, reichten die Stellplatzflächen nicht mehr aus.
Außerdem war die Beschaffung eines Wechselladefahrzeuges geplant, mit 3 Containern, einem Tankcontainer mit 2000 l Wasser, einem Schlauchcontainer mit 2000 m B-Schlauch sowie einer Pritsche mit Plane.
"Tag der offenen Tür" mit
Fahrzeugübergabe am 25. März 2007
